Pilotstudie „Alexander-Technik meets Infrarottechnik“
Die Idee
Wenn sich Lebewesen bewegen, haben sie im Wesentlichen zwei Möglichkeiten: entweder sie dehnen sich aus und vergrößern den Raum, den ihr Körper einnimmt, oder sie ziehen sich zusammen und verkürzen dabei ihre Gestalt.
Zum Beispiel richten sich afrikanische Wasserträgerinnen, während sie mindestens dreißig Kilogramm auf ihrem Kopf balancieren, nach oben aus. Ihr Gang ist sehr anmutig und bewegungsergonomisch optimal. Während dessen ist ihr Aufwand an Muskelenergie nämlich minimal. Ein Gegenbeispiel sind die Stubenhocker, die solche Fähigkeiten nie ausgebildet haben: während sie sitzen oder gehen, krümmen, verbiegen und verkürzen sie ihren Körper und müssen einen hohen Muskelaufwand betreiben, nur um sich gegen die Schwerkraft aufrecht halten zu können. Während die Wasserträgerin die Schwerkraft für ihre Bewegungen nutzt, arbeitet der Stubenhocker gegen sie.
Entscheidend ist, ob man die Fähigkeit erworben hat, seinem Kopf die Freiheit zu lassen, sich mit jeder Bewegung immer wieder dynamisch auszubalancieren. Wie man so etwas lernen kann? Indem man Alexander-Prinzipien anwendet. Bis zur Wasserträgerin wird es in den seltensten Fällen reichen, aber zu einer kleinen Verbesserung im Gebrauch des Bewegungsapparats allemal.
Die Alexander-Methode bietet keine Übungen in diesem Sinne an, weil das kontraproduktiv wäre. Man würde sie doch nur den vertrauten Bewegungsmustern entsprechend ausführen. Aber es ist durchaus möglich zu erleben, wie es sich anfühlt, wenn der Kopf zur Abwechslung mal nicht auf der Wirbelsäule fixiert ist.
Als im Sommer 2007 der Thermograf Herbert Bäumer auf einer Internetplattform anfragte:
Wer hat eine Idee, wozu er Wärmebilder außerhalb der üblichen Verwendungsweisen gebrauchen kann?
antwortete ich spontan:
Wir machen ein Experiment, in dem wir mit Infrarotaufnahmen die Wirkung einer halben Stunde Alexander-Technik dokumentieren.
Daraus entwickelte sich dann ein privates Projekt, aus dem ein Zeitungsartikel, eine Fernsehsendung, eine Grafik und (bisher) eine Broschüre entstanden sind. Für alle Beteiligte brachte es neue Erfahrungen, die zum Nachdenken anregten, aber durchaus auch Vergnügliches an sich hatten.

„Wer hat eine Idee, wozu er Wärmebilder gebrauchen kann?“ Diese Frage, im Sommer 2007 auf eine Internet-Platform gestellt, führte zu einem Kooperationsprojekt, dessen Ergebnisse in mehreren Broschüren veröffentlicht werden sollen. Die erste davon ist jetzt erschienen.
Infrarotkameras messen den Wärmeaustritt bei Elektrogeräten und Gebäuden, aber auch die Wärmeabstrahlung der menschlichen Haut. An den Stellen, an denen es unter der Haut zu Muskelaktivitäten kommt, entsteht Energie, die in Wärme umgewandelt wird. Diese kann mit Hilfe der Infrarotkamera sichtbar gemacht werden.
Wie viel Muskelenergie verbrauchen Menschen, wenn sie sitzen, stehen oder sich bewegen? Wie ökonomisch setzen sie dabei ihre Muskelkräfte ein? Könnte man möglicherweise nicht nur beim Energieverbrauch von Gegenständen sparen, sondern auch funktionaler mit dem eigenen Körper umgehen und auf diese Weise vitale Energie sparen? Bewegen wir uns eigentlich effizient?
Die Vermutung ist, dass wir das im Allgemeinen nicht tun. So nehmen die Klagen über schlechte Körperhaltungen, Verspannungen und Schmerzen zu. Aber da wir Menschen sind, könnten wir den effizienteren Umgang mit unserem Bewegungsapparat erlernen – wenn wir das wollen. Es gibt Methoden, die praktisch dabei helfen, ein Gefühl dafür zu entwickeln, wie man mit einem Minimum an Muskelaufwand ein Maximum an Beweglichkeit erzielt. Man kann demnach lernen, etwas weniger angestrengt, angespannt oder übermüdet zu sein und sich stattdessen in seiner Haut etwas wohler zu fühlen.
Um dies zu erleben, stellten sich im Wärmebilderprojekt Versuchspersonen zur Verfügung. Das kleine private Experiment glückte. Die Infrarotkamera erwies sich als guter Vermittler von Feedback im Hinblick auf Muskelanspannungen und Verspannungen. Insbesondere dokumentierte sie die Verbesserungen in der Muskelkoordination vor und nach einer Unterweisung in der Alexander-Methode.


