Der Zeit weit voraus

 
Vor mehr als hundert Jahren entwickelte der Australier Frederick Matthias Alexander (20. Januar 1869 – 10. Oktober 1955) einen praktischen Lösungsansatz für ein Problem, das uns zwar alle betrifft, aber gemeinhin gern übersehen wird: Wie gut ist unsere Fähigkeit ausgebildet, in Anbetracht des beständigen Zugs der Schwerkraft unser Gleichgewicht zu wahren? Wie geschickt gehen wir dabei mit unserem Organismus um? Wie flexibel reagieren wir auf Unvorhergesehenes? Welche Mechanismen stehen uns zur Verfügung, um uns selbst – unseren Körper, unser Nervensystem, unsere Psyche – immer wieder ins Gleichgewicht zu bringen?
 
Eine Gedenktafel in der Nähe seiner Geburtsstätte erinnert daran, dass Alexander zu den 200 bedeutendsten Persönlichkeiten gehört, die Australien hervorgebracht hat. Er wird dort als Pionier, als Entdecker der grundlegenden Fakten funktionaler menschlicher Bewegung gewürdigt. Wer sich mit der Alexander-Technik beschäftigt, lernt wichtige Prinzipien einer guten Bewegungskoordination kennen. Darin ist die Verbesserung der Selbstwahrnehmung und die bewusste Kontrolle über die eigenen Handlungen inbegriffen. Alexander entdeckte und lehrte die Kunst, alltägliche Handlungen effizienter als gewohnt auszuführen, d.h. mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Wirkung zu erreichen. Das ist für alle Menschen von vitalem Interesse, die auf ihrem Gebiet Hochleistungen erbringen möchten.
 
            1904 übersiedelte Alexander nach London, um der damaligen Weltöffentlichkeit seine Erfahrungen zu vermitteln. Mit großem Erfolg. Kapazitäten aus Kunst, Wissenschaft, Politik und Kultur stellten sich in seiner Praxis ein – während sechs Wochen täglich eine halbe Stunde. Voller Begeisterung wegen der positiven Veränderungen, die sie an sich selbst beobachten konnten, ließen sie auch ihre Familien, insbesondere ihre Kinder, Unterricht in der Alexander-Methode nehmen. Über die Verbesserung ihrer Bewegungskoordination wurden sie nicht nur gesunder, sondern auch leistungskräftiger.
 
            Daran hat sich bis heute nichts geändert. Weltweit bieten die verschiedensten Institutionen (Kunstakademien, Musikhochschulen, Kliniken ...) Alexander-Technik-Kurse an, weil sie den Zugang zu den eigenen physischen und psychischen Ressourcen erleichtern. Die Alexander-Methode ist geeignet, viele der heute grassierenden gesundheitlichen Beeinträchtigungen (Schädigungen der Wirbelsäule und des Bewegungsapparats, Atmungs-, Kreislauf- und Verdauungsprobleme und nicht zuletzt auch nervöse Leiden) bereits im Vorfeld zu verhindern bzw. rehabilitativ zu lindern: durch die grundlegende Verbesserung der Bewegungskoordination. Die Alexander-Technik beschäftigt sich mit den Prinzipien natürlichen, authentischen und spontanen Verhaltens – im Unterschied zum weit verbreiteten automatischen, reaktiven und vorhersehbaren Stressverhalten.